150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Adelsheim

Anlässlich des Jubiläums wurde Herr Albert Rückert gebeten, die Historie der Feuerwehr aufzubereiten. Das Ergebnis wurde in einer 6-Teiligen Reihe im Bauländerboten veröffentlicht. Hier gibts ales nochmal zum nachlesen.


Im geschichtlichen Rückblick dürfen die Adelsheimer für sich in Anspruch nehmen einer der ältesten „Rotkreuzvereine“ in Deutschland im Jahre 1859 gegründet zu haben. Die Anregung zu dieser Gründung gab die Großherzogin Luise von Baden vor 150 Jahren, als sie am 15. Juni 1859 zunächst in Adelsheim einen Frauenverein gründete, der zum Vorläufer einer weltweiten „Rotkreuzbewegung“ wurde. Die Leitung übernahm Freifrau Katharina von Adelsheim bis zum Jahre 1880.

 

Nur wenige Jahre später, im Jahre 1865, erfolgte die Gründung einer weiteren und ganz wichtigen Hilfsorganisation in Adelsheim, die der freiwilligen Feuerwehr. Ziel dieser Gemeinschaft war, unter selbstlosem Einsatz, bei Brand Leib und Leben sowie Hab und Gut der Menschen zu retten. So kann die Freiwillige Feuerwehr Adelsheim, ausgehend von ihrer Erstbegründung 1865, in diesem Jahr ihr 150-jähriges Jubiläum feiern.

 

Ausschlaggebend für diese Gründung war ein Großbrand in der Seestadt am 14. September 1865, bei der 41 Familien obdachlos wurden. Nach diesem verheerenden Brand waren sich die Bürger des Städtchens einig eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Einige Jahre später, 1871, konnte die Gemeinde, der Freiwilligen Feuerwehr unter dem neu erbauten Schulhaus für ihre Gerätschaften auch Räume zur Verfügung stellen.

 

In der Geschichte der freiwilligen Feuerwehren in unserem Raum finden wir Aufzeichnungen, die bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Diese bestätigen, dass im benachbarten Württemberg um das Jahr 1832 in den Städten Gmünd und Heilbronn bereits, militärisch organisierte Rettungsgesellschaften existierten. In Baden war die Stadt Durlach die erste, die nach heutigen Begriffen 1846 eine organisierte freiwillige Feuerwehr geschaffen hat. Diesem Beispiel folgend entstanden in den Jahren von 1848 bis 1852 in Baden insgesamt 14 solcher Feuerwehren, deren Zahl sich in den darauffolgenden Jahren noch bedeutend erhöhte.

 

In den einzelnen Gemeinden gab es in dieser Zeit durchaus eine Feuerlöschordnung, wonach jeder Bürger bei Feuergefahr verpflichtet war, an der Brandstätte mit einem Feuereimer zu erscheinen und zur Löschung des Brandes sein Bestes zu geben. Doch bei diesen Einsätzen fehlte ganz einfach die Ordnung und die richtige Organisation. Die Erfolge der kleinen, wohlgeübten und disziplinierten Gruppen der neu erstandenen Feuerwehren veranlassten viele Bürger, sich dieser Gruppierung anzuschließen. Obwohl der Gedanke zur Gründung einer Feuerwehr in manchen Gemeinden schon lange vorhanden war, bedurfte es jedoch meistens eines Anlasses, wie in Adelsheim durch den Seestadtbrand, um diese Gedanken in die Tat umzusetzen.

 

Nach einer alten Aufzeichnung versammelten sich am 26. Okt. 1865 zahlreiche Personen im Rathaus, wo man zunächst über einen Statutenentwurf diskutierte, der schließlich auch angenommen wurde. „An diesem Tag traten 65 Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr bei und bekundeten mit ihrer Unterschrift ihre Einsatzbereitschaft“.

 

In der Folgezeit wird eine lebhafte und rege Tätigkeit registriert, die auch mit der Ausstattung für zukünftige Einsätze einherging. So wurden 2 Hakenleitern, 2 Dachleitern, 1 Gesimsbock und eine Löschspritze angeschafft. Durch den Steiger-„Lieutnant und Instructor“ der Feuerwehr, Herrn Prokopp aus Wertheim, der von Beruf Buchbindermeister war, wurden die Feuerwehrleute geschult und auf ihre Aufgaben vorbereitet.

 

Außergewöhnlich ist die Tatsache, dass es im Jahre 1867 in Adelsheim schon eine eigene Feuerwehrmusik gab. Für die Instrumentenbeschaffung hatte der Kommandant Schilling (Lindenwirt) ein Darlehen von 300 fl. Zur Verfügung gestellt. Kommandant Schilling verstarb zwei Jahre später am 27. März 1869. Bei der Wahl zum Nachfolger wurde am 29. April 1869 Straßenmeister Siebert zum Kommandanten gewählt, der dieses Amt aber schon im Dezember des gleichen Jahres wieder niederlegte. Damit hatte die Wehr zunächst aufgehört zu existieren, bzw. war aufgelöst.


So kam es am 28. März 1877 abermals zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Adelsheim. An diesem Tag traten 80 Mitglieder der Wehr bei und auch die Feuerwehrmusik wurde wieder ins Leben gerufen. Musiklehrer Kaltenmaier aus Neudenau erteilte die Musikstunden. Auf ein Gesuch im Mai 1877 an Baron Freiherr Adolf v. Adelsheim, machte dieser der Wehr einen Leiterwagen zum Geschenk der als Requisitenwagen Verwendung fand. Wie lange die Wehr in der Folgezeit bestanden hat, kann nicht gesagt werden. Ein Anhaltspunkt ist ein letztes Schreiben datiert aus dem Jahre 1887, wonach Friedrich Trefz, ein der Feuerwehrmusik zur Verfügung gestelltes Kapital gekündigt hatte und jeder Musiker auf Grund eines notariellen Vertrages verpflichtet wurde , einen entsprechenden Anteil, bis zum Ende des Jahres zurückzuzahlen.

Es steht außer Zweifel, dass die Aktivität der Wehr zwischenzeitlich wieder einige Jahre geruht hat. Bestätigt wird dies durch die Tatsache dass es am 13. März 1903 wiederum zu einer Neugründung kommt, die dann ununterbrochen, 50 Jahre Bestand hatte. Kommandant wurde Gustav Herrmann, dem 1919 durch Neuwahl Friedrich Herold folgte. Beide Kommandanten wurden wegen ihrer großen Verdienste, Neuanschaffungen und Verbesserungen der vorhandenen Löschgeräte, zu Ehrenkommandanten der Wehr ernannt.

Die Freiwillige Feuerwehren mussten auch wie viele Organisationen und Vereine im Laufe ihres Bestehens, Höhen und Tiefen überstehen, hier sei besonders an den 1. Weltkrieg (1914-1918) erinnert, sowie an die Weltwirtschaftskriese von 1929 bis 1932 die das öffentliche wie auch das private Leben beherrschte. Auch auf die schlimme Zeit vor der Machtergreifung Hitlers, bis zum 2.Weltkrieg (1939-1945) der großes Leid und Elend über unser Land brachte sei hier hingewiesen.

Eine staatliche Neuordnung des Feuerlöschwesens erfolgte in der Zeit von 1933 bis 1945 dabei wurden die Freiwilligen Feuerwehren in eine Feuerlöschpolizei umgewandelt und damit wurde das seitherige Aufgabengebiet erheblich erweitert. Der amtierende Bürgermeister Hermann Herold hat sich in dieser Zeit als aktiver Feuerwehrmann ebenfalls große Verdienste erworben, besonders in der Ergänzung einer gerätemäßigen guten Ausstattung der Wehr.

Von 1939 bis 1945 übernahm Blechnermeister Fritz Fischer jun. das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr. Es war keine einfache Zeit, denn über die Kriegszeit wurde die Feuerwehr zu den verschiedensten Diensten herangezogen, zum Schutz von Haus und Hof sowie ganz besonders im Luftschutzdienst. Gegen Ende des Krieges war die Schlagkraft der Wehr noch einmal gefordert als es beim Anwesen von Karl Hochwald durch einen umgestürzten amerikanischen Tankwagen zu einem spektakulären Brand kam. Den wenigen in der Heimat verbliebenen Wehrmännern gelang es unter großem Einsatz zu verhindern das sich das Feuer weiter ausbreiten konnte. Nach Kriegsende 1945 gab es zunächst wegen der herrschenden Unübersichtlichkeit keine geordnete Feuerwehrvereinstätigkeit, doch Fritz Fischer tat zusammen mit einigen Feuerwehrkameraden einiges, um Not und Elend, die nach dem verlorenen Krieg vorherrschend waren, zu lindern.

Bereits im Jahr 1946 wurde auf Veranlassung der Gemeindeverwaltung die Feuerwehr wieder neu zusammengestellt. Malermeister Richard Albert übernahm das Kommando und führte die Wehr bis 1950. Es herrschte Aufbruchstimmung, es kamen viele neue Mitglieder und durch Neuanschaffungen von Geräten konnte man die Einsatzfähigkeit der Wehr wieder sicherstellen.

Richard Albert legte 1950 sein Amt nieder und zum Nachfolger und neuen Kommandanten wurde Stadtrat Peter Sauer gewählt, der in seiner Amtszeit die Feuerwehr in Adelsheim prägte.
Als Schüler und Jugendlicher erinnere ich mich, dass es damals sehr militärisch zuging. Mit zackigen Befehlen ließ Peter Sauer, seine Feuerwehrkameraden in Reih und Glied im alten Schulhof antreten.
Peter Sauer sah seine hauptsächliche Aufgabe darin, den Ausbildungsstand der Wehr stetig zu verbessern und die Einsatzfähigkeit durch die Anschaffung neuer Löschgeräte zu steigern. Besonders durch die die Anschaffung der Automobilspritze LF 8 im Jahre 1951war man auf einem guten Stand.

Peter Sauer führte die Feuerwehr insgesamt 15 Jahre bis 1965 und wurde in der Nachfolge von Heinz Börkel abgelöst, der das Amt bis 1975 inne hatte. Die anschließenden Kommandanten waren, von 1975 – 1984 Rudolf Niemtz, von 1985-1987 Rolf Schmiech, von 1987- 1990 Peter Günther, von 1990- 1992 Bernhard Börkel, von 1993- 1994 Michael Eberhard, von 1995- 2004 Peter Günther von 2005 -2015 Martin Nagel ,seit 2015 Jochen Ehmann.

 

Aktuell zählt die Feuerwehr Abteilung Adesheim 44 Kameraden, davon 33 in der aktiven Wehr, 7 in der Jugendwehr und 4 in der Alterswehr. Die Abteilung verfügt über 15 Truppführer, 11 Atemschutzgeräteträger, 20 Sprechfunker, zwölf Maschinisten, sowie acht Gruppen und vier Zugführern. Neben den Brandeinsätzen und Technischen Hilfeleistungen sind weitere Aktivitäten die alljährlich wiederkehrende Sonnwendfeier, Beteiligung am Volksfest und der Feierstunde am Volkstrauertag. Auch leistet die Feuerwehr Dienst, bei „Adelsheim leuchtet“ und ist in vielen Fällen bei Umzügen und Veranstaltungen in der Verkehrsregelung tätig.

Bestanden früher in erster Linie die Aufgaben der Feuerwehren Brände zu bekämpfen, so änderte sich dies im Laufe der Jahrzehnte grundlegend. Immer mehr Aufgaben werden heute ehrenamtlich von den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr durchgeführt, so steht die Technische Hilfeleistung bei Unglück – und Verkehrsunfällen mit an erster Stelle. Wobei technische und materielle Veränderungen im Kraftfahrzeugbereich die Feuerwehren immer wieder vor neue Aufgaben stellen. Aber auch bei Brandeinsätzen gibt es große Veränderungen, wurden früher Holz und weitere natürliche Baumaterialien beim Hausbau verwendet, ist das Brandverhalten durch moderne Material - und Isoliertechniken gefährlicher und die Löscheinsätze insgesamt risikoreicher geworden.

Bei Hochwasser, Evakuierung, bei Katastrophen, überall ist die Feuerwehr heute dabei, um vor Ort Hilfe zu leisten. Die Aufgaben sind vielfältiger geworden und nur durch gute Technische Ausrüstung und ständige Aus – und Weiterbildung der Feuerwehrleute können die Feuerwehren ihrem Auftrag in der heutigen Zeit gerecht werden. Dabei ist es wichtig, dass moderne Fahrzeuge und Gerätschaften zur Verfügung stehen.

Dabei steht die Freiwillige Feuerwehr Adelsheim ganz gut da, verfügt man doch über einen Geländewagen, ein Vorausrüstfahrzeug für schnelle Hilfe bei Verkehrsunfällen, desweiteren über ein Großfahrzeug- LF 16-25 Löschfahrzeug mit einem 2 500 l Tank, ausgerüstet für Brand- und technische Einsätze und derzeit eines der modernsten Fahrzeuge im Neckar- Odenwald- Kreis und ein Mannschaftstransportwagen. Das Großfahrzeug- LF 16- TS ist etwas ganz besonderes, ein Löschgruppenfahrzeug mit Tragkraftspritze, das die Feuerwehr vom Katastrophenschutz des Landes Baden- Württemberg erhielt um auch bei überregionalen Katastrophenfällen eingreifen zu können.

Längst vorbei sind auch die Zeiten als die Alarmierung der Wehr durch Signalhörner und dem Läuten der Sturmglocke, oder etwas später durch Sirenen erfolgte, heute erfolgt die Mobilmachung über Funk.

Die Freiwillige Feuerwehr Adelsheim ist eine der drei Abteilungen der Gesamtfeuerwehr der Stadt Adelsheim. Die Technische Ausrüstung der drei Abteilungen ergänzt sich und macht so auch durch die gute Zusammenarbeit eine schlagkräftige Feuerwehrarbeit zum Schutze der Bürger möglich.

Bleibt zum Schluss aus der Festschrift 1953 zum 50. Jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr , wobei man vom Datum der Wiederbegründung im Jahre 1903 ausgegangen ist, Reichsfreiherr Carl von Adelsheim: zu zitieren
all denen, die im Laufe der vielen Jahre dem Feuerschutz unserer Heimatstadt treu gedient haben und es auch heute noch tun, sei zum Jubiläum aufrichtiger Dank gesagt. Möge der Wahlspruch, den sich die Freiwilligen Feuerwehren auf ihre Fahnen geschrieben haben, auch in der kommenden Zeit Geltung haben und immer wieder Männer zu uneigennütziger Arbeit im Dienste aller Mitbürger zusammenführen“.
Diesen Worten ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen sie sind heute noch so aktuell wie damals, wobei das Aufgabenbereich der Zeit entsprechend, eine vielfältigere geworden ist und deshalb die Einbringung in die Freiwillige Feuerwehr zum Wohle aller, höchste Anerkennung verdient.

© 2015 Albert Rückert



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